Quo vadis, Diversity?

 

 

Das Thema Diversity hat innerhalb der Kölner Stadtpolitik bereits eine längere Geschichte, allerdings wurde es bisher eher stiefmütterlich behandelt, einige Gutmenschen aus Verwaltung und Stadtgesellschaft durften sich in Workshops und Arbeitskreisen Gedanken dazu machen, ansonsten blieb es beim Nebeneinander von (Frauen-)Gleichstellungs-, Behinderten, Migranten- und LST-Politik, ein übergeordneter Gedanke oder gar ein ausgewachsenes Diversity-Konzept waren nicht erkennbar.

 

Daran hat sich sich auch jetzt nichts geändert, dennoch gibt es, dem Sparzwang sei Dank, erste Dynamik innerhalb der Stadtverwaltung, die auf politische Initiative der CDU-Ratsfraktion damit beauftragt worden war zu prüfen, ob sich durch die Zusammenfassung verschiedener Dienststellen, die sich mit Antidiskriminierung, Gleichstellung und der Förderung bestimmter Personengruppen befassen, nicht Vorteile und Synergien erzielen ließen.

 

 

Und siehe da, die Verwaltung kommt zu dem Schluss, dass es Sinn macht, im Sozialdezernat eine sog. Punktdienststelle Diversity einzurichten, innerhalb derer zukünftig das Kommunale Integrationszentrum (Förderung von Migranten), die Behindertenpolitik und das Referat für Lesben, Schwule und Transgender (LST-Referat) versammelt sein sollen und deren erste Aufgabe es sein wird, ein konkretes Diversity-Konzept für die Stadtverwaltung zu erarbeiten und zu implementieren.

 

 

Wie ist dies aus Sicht der LST-Verbände zu bewerten, die in der Stadtarbeitsgesellschaft Lesben, Schwule und Transgender (Stadt-AG LST) versammelt sind und dort bisher von einem Rumpfreferat, bestehend aus einem einzigen Mitarbeiter plus Mini-Geschäftsstelle, mehr schlecht als recht verwaltet und unterstützt wurden?

 

 

In ersten Stellungnahmen zeigen sich Vertreterinnen und Vertreter enttäuscht darüber, dass diese Organisationsverfügung der Verwaltung ohne ausreichende Beteiligung der Stadt-AG LST erfolgte und konkrete Maßnahmen ergriffen würden, bevor es ein sorgfältig erarbeitetes inhaltliches Konzept für eine städtische Vielfaltspolitik gibt.

 

 

Diese Kritik ist verständlich, jedoch springt sie zu kurz und verkennt die Chancen, die in diesem Verfahren liegen. Denn zum einen wird gerade die LST-Politik von dieser Zusammenlegung profitieren, weil damit indirekt eine personelle Aufstockung des bisher hoffnungslos unterbesetzten und damit nahezu handlungsunfähigen Referates erreicht wird. Zum anderen, und dies ist noch viel wichtiger, erzeugt die dem Einspardruck geschuldete „Hauruck-Methode“ Druck auf alle Beteiligten, sich nun in der neuen Dienststelle inhaltlich und personell zusammenzuraufen, ohne zuvor in endlosen Diskussionen darüber verhandelt zu haben, ob und ggf. unter welchen Bedingungen man überhaupt mit den anderen Diversity-Gruppen zusammenarbeiten will.

 

 

Dies wird im besten Falle, wenn Politik und Verwaltung den entsprechenden Rahmen dafür eröffnen und die verschiedenen Gruppen sich offen und zukunftsorientiert zeigen, zu einer inhaltlichen Schärfung der eigenen Positionen und auch zu notwendigen Abgrenzungen innerhalb der neuen Dienststelle führen. Denn Diversity bedeutet eben nicht Einheitsbrei, sondern Vielfalt auf Grundlage eines starken Selbstbewusstseins sehr unterschiedlicher Gruppen.

 

 

Sicher wird es innerhalb der neuen Verwaltungseinheit Konflikte geben. Die hätte es aber auch dann noch gegeben, wenn die organisatorische Umsetzung erst nach einem jahrelangen Diskussionsprozess vollzogen worden wäre. Denn auf konkrete Zusammenarbeit kann man nicht am grünen Tisch verhandeln, persönliche und inhaltliche Differenzen werden oft erst in der Ebene des Arbeitsalltags sichtbar.

 

 

Am Ende kann der jetzt vorgesehene Sprung ins kalte Wasser dazu führen, dass aus der Punktdienstelle Diversity eine schlagkräftige Truppe wird, die eine Dynamik in der Kölner Vielfaltspolitik erzeugt, von der die Stadt heute leider noch sehr weit entfernt ist.

 

 

Eine Schlüsselrolle bei der Frage, ob dieser Weg gelingen wird, kommen der zuständigen Sozialdezernentin und dem Fachausschuss des Rates zu. Denn einerseits benötigen alle Beteiligten tatkräftige Unterstützung bei den anstehenden Entwicklungs- und Abstimmungsprozessen und eine lange Leine für Ideen und Experimente. Aber andererseits bedarf es auch eines breiten Rückens und politischer Entschlossenheit, um deutlich zu machen, dass ernst gemeinte Vielfalt nur mit großen Anstrengungen aller Beteiligten und ohne Bestandsschutz für lieb gewonnene Diversity-Surrogate erreicht werden kann.

 

Advertisements
This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s